Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Kreisverband Jena - Saaletal

Radfahrerin auf einem von Baumwurzeln aufgebrochenen Radweg

CM März: Modal Split – Trendumkehr für KFZ?

Am Dienstag, 3. März startet um 18 Uhr am Holzmarkt die monatliche Critical Mass Jena. Diesen Monat wendet sich die friedliche Fahrraddemo dem Thema Budget und Verkehrskosten für die Stadt zu.

Die Zahlen der Stadt zum Verkehrsbudget zeigen es deutlich: KFZ-Verkehr geht in Jena zurück, die Stadt gibt den größten Anteil ihres Mobilitäts-Budgets für KFZ aus, gekürzt wird bei der effizientesten Verkehrsart. Mobilität in den Köpfen der Stadtpolitiker ignoriert weitgehend über ¾ des Mobilitätsanteils oder benachteiligt sie massiv. 

Andreas Seher vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club Jena-Saaletal fordert ein Umsteuern in der Priorisierungs- und Ausgabenpolitik: „Fußwege & Radwege müssen  deutlich stärker in den Fokus städtischen Handelns genommen werden. Was heißt das konkret? Wege müssen zusammenhängend sein, das Radverkehrsnetz weist noch große Lücken auf – auch im Radverkehrsplan Jena 2035+. Der ÖPNV ist zu stärken und nicht mit Kürzungen zu belegen, Wohnviertel müssen wirklich verkehrsberuhigt werden und von Durchgangsverkehr befreit werden, wodurch Kosten für Erhaltung sinken würden.“ Barbara Körbs (ADFC) ergänzt: „Bau und Unterhalt von Stellplätzen sind nicht kostenlos, deshalb sind Parkplätze im öffentlichen Raum so zu bepreisen, dass sie die tatsächlichen Kosten für die Stadt reflektieren.“ 

Im regelmäßigen Rhythmus von 5 Jahren wird für viele deutsche Städte der sogenannte „Modal Split“ erhoben. Damit wird gemessen, welches Verkehrsmittel wie stark in einer Kommune genutzt wird, was von dieser Wiederum ein Anhaltspunkt für kommunales Handeln ist. Die letzte Befragung war 2023 und zeigte für Jena ein überraschendes Ergebnis: ein deutlicher Abfall der Wege mit KFZ bei deutlichem Anstieg im „Umweltverbund“, hauptsächlich bei Fußwegen. Im Binnenverkehr der Stadt – also der Verkehr, der in der Stadt startet und endet – summieren sich die Anteile zu 77% Umweltverbund gegenüber 23% KFZ-Verkehr.

Werden dem die Ausgaben der Stadt gegenübergestellt, entsteht der Eindruck eines starken Ungleichgewichts, was in Priorisierung von Maßnahmen, politischem Handeln und Ausgaben deutlich wird:

Daran lassen sich einige, wichtige Punkte erkennen: 

1.Die Stadt gibt für nur 23% der Mobilität 53% ihres Budgets für Mobilität aus 

2.In politischen Entscheidungen wird der Minderheitsanteil der Verkehrsarten überproportional bevorzugt 

3.Die Stadt fördert den ineffizientesten Anteil der Mobilität massiv: der Kostendeckungsgrad für KFZ-Mobilität ist mit 55% nach Daten der Stadt fast immer der schlechteste. Das bedeutet, dass Autofahrende nicht den Beitrag für ihre Mobilität aufbringen, der fairerweise notwendig wäre 

4.Die Stadt kürzt aus Spargründen beim effizientesten Verkehrsmittel, dem ÖPNV: hier wird regelmäßig ein Kostendeckungsgrad >70%, stellenweise ca. 80% erreicht.

Datenquellen: Cost-Tool der Stadt Jena


https://jena.adfc.de/pressemitteilung/cm-maerz-modal-split-trendumkehr-fuer-kfz

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